
Im Kreis Südliche Weinstraße werden dringend Pflegeeltern gesucht – aktuell für fünf Kinder. Erfahre, was dich erwartet und wie du das Leben eines Kindes…
Stell dir vor, du bist fünf Jahre alt, springst in den Kinderpool, naschst selbstgebackene Muffins und trinkst einen eiskalten Kaba dazu. Für Marielle (Name von der Redaktion geändert) ist das heute gelebter Alltag. Ein Alltag, der ihr lange nicht vergönnt war. Denn mit gerade einmal 15 Monaten wurde das Mädchen vom Jugendamt des Kreises Südliche Weinstraße in Obhut genommen – vernachlässigt, verängstigt, verstört.1 Heute ist sie ein munterer Wirbelwind, der seine Pflegemutter täglich zum Staunen bringt. Und genau diese Geschichte zeigt, warum der Kreis Südliche Weinstraße jetzt dringend neue Pflegeeltern sucht.
Pflegemutter Doris Müller (Name von der Redaktion geändert) gerät ins Schwärmen, wenn sie über Marielle spricht: „Sie ist eine wunderbare Persönlichkeit. Sehr selbstbewusst. Sie ist sehr fröhlich, lacht sehr viel. Sie erzählt sehr viel, ist sehr gesellig. Sie hat viele Freundinnen. Sie hält uns auf Trab. Und ist ein ganz wunderbares, munteres, kleines Wesen.“1
Doch der Weg dahin war alles andere als leicht. Doris Müller erinnert sich an die ersten Monate: „Sie hat den Kopf gegen den Boden geschlagen. Sie hat sich blutig gekratzt. Sie hatte Angst vor Gürteln. Sie ist erstarrt, wenn sie Gürtel gesehen hat. Sie hat nächtelang geschrien.“1 Was geholfen hat? Geduld – ganz viel Geduld. Marielle wollte sich bei nichts helfen lassen, nicht einmal gefüttert werden, obwohl sie noch so klein war. „Aber sie hatte gelernt, nur wenn ich selbst den Löffel halte, erhalte ich auch sicher Nahrung“, erklärt Doris Müller.1 Ein Satz, der einem wirklich zu denken gibt.
Marielles Geschichte ist kein Einzelfall. Aktuell leben 109 Pflegekinder bei 90 Pflegeeltern im Kreis Südliche Weinstraße. Im Durchschnitt vermittelt das Jugendamt acht bis zehn Kinder pro Jahr an Pflegefamilien, weil diese Kinder nicht in ihren Herkunftsfamilien bleiben können.1
Zur Zeit sucht das Jugendamt konkret für fünf Kinder Pflegeeltern – darunter auch wieder ein Kind, das erst wenige Monate alt ist. Gerade sehr kleine Kinder unter zehn Jahren brauchen eine Eins-zu-eins-Betreuung in einer Familie. In Heimen sind sie schlicht nicht optimal untergebracht, so die Einschätzung der Mitarbeitenden des Jugendamts.1
Es gibt zwei Wege, wie du als Pflegeperson helfen kannst. Einerseits gibt es Bereitschaftspflegeeltern, die kurzfristig einspringen, wenn Kinder aus ihren Familien herausgenommen werden müssen. Aber dort können die Kleinen nicht dauerhaft bleiben – sie brauchen ein echtes Zuhause auf Zeit oder auch länger.1
Deshalb bildet der Kreis Südliche Weinstraße einmal im Jahr neue Pflegeeltern in einem Seminar aus. Dort erfahren Interessierte, was auf sie zukommt, welche Unterstützung sie vom Jugendamt erhalten und wie der Alltag mit einem Pflegekind wirklich aussieht.1
Eines ist klar: Die Kinder kommen mit einem schweren Rucksack voller seelischer Nöte. Wer Pflegeeltern werden möchte, muss wissen, dass regelmäßiger Kontakt mit Jugendamtsmitarbeitenden dazugehört. Und auch der Kontakt zu den leiblichen Eltern muss gepflegt werden – etwa wenn die Kinder ihre Eltern besuchen dürfen.1
Martha Spieß (Name von der Redaktion geändert) vom Pflegekinderdienst des Kreises Südliche Weinstraße bringt es auf den Punkt: „Wenn Pflegekinder das Glück haben, in einer Pflegefamilie aufwachsen können, die ihnen Sicherheit, Geborgenheit und Liebe gibt, dann ist das für die Kinder eine ganz tolle Chance, später zu einer tollen Persönlichkeit heranreifen zu können.“1
Doris Müller ergänzt aus eigener Erfahrung: „Aber es ist eine ganz wunderbare Aufgabe. Wir hatten auch einen Abend, an dem andere, erfahrene Pflegeeltern von der Aufgabe erzählt haben. Das hat mir sehr gut getan, zu hören: Das lohnt sich, das macht Spaß, das ist toll!“1
Wer Marielle heute erlebt – diesen fröhlichen, selbstbewussten Wirbelwind, der andere ansteckt mit seiner Lebensfreude – der versteht sofort, warum Pflegeeltern so unglaublich wichtig sind. Du musst keine perfekte Familie sein, du musst keine besonderen Voraussetzungen erfüllen. Du musst nur bereit sein, einem Kind Geborgenheit, Stabilität und echte Zuneigung zu schenken. Durch den Tag, durch schwierige Momente, durch all die kleinen und großen Schritte, die ein Kind braucht, um zu sich selbst zu finden.
Der Kreis Südliche Weinstraße und das Jugendamt stehen dir dabei nicht allein gegenüber – sie begleiten dich, bilden dich aus und unterstützen dich auf diesem Weg. Denn am Ende gewinnen alle: die Kinder, die endlich ankommen dürfen. Und die Familien, die erleben, was es bedeutet, wirklich gebraucht zu werden.
Du wohnst in der Region und überlegst, ob Pflegeelternschaft etwas für dich sein könnte? Dann melde dich beim Jugendamt des Kreises Südliche Weinstraße und informiere dich über die nächsten Seminartermine.1 Ein erster Schritt – und vielleicht der Beginn einer Geschichte, die das Leben eines Kindes für immer verändert.






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